
Das Abenteuer U20 Weltmeisterschaft der österreichischen Nationalmannschaft startet demnächst. Erstmals seit 2009/2010 ist Österreich wieder in der Top Division vertreten.
Mathias Lange, Andreas Nödl, Rafael Rotter, Thomas Vanek (2003/04), Dominique Heinrich, Konstantin Komarek oder Peter Schneider (2009/10). Das sind nur einige derer, die die Ehre hatten, Österreich in der höchsten WM-Division des Nachwuchseishockeys zu vertreten. Allesamt später äußerst erfolgreich und zum Teil Leistungsträger im österreichischen Herren-Nationalteam.
Bei der letzten Teilnahme Österreichs in der Top-Division zum Jahreswechsel 2009-2010 waren außerdem klingende Namen wie Alexander Pallestrang, Fabio Hofer und Andreas Kristler dabei. Trotzdem folgte, wenig überraschend, der sofortige Wiederabstieg. Einem 6:2 gegen Russland, folgte ein 7:3 gegen die Schweden. Ein 7:1 gegen Tschechien und ein 10:1 gegen Finnland folgten. In der Relegation lieferte man dann allerdings achtbare Ergebnisse. Einem knappen 3:2 gegen die Slowakei, folgte ein 4:6 gegen die Letten. Trotzdem kann man erkennen, dass Österreichs U20 trotz eines starken Jahrgangs vor 11 Jahren chancenlos war gegen die Eishockey-Übermächte dieser Welt.
Auch 2003/2004 gab es trotz des Antretens von Thomas Vanek (im selben Jahr an Nummer 5 von den Bufallo Sabres gedrafetet) klare Ergebnisse. 8:0 zum Auftakt gegen die USA, 7:0 gegen Schweden, 3:1 gegen Russland und ein 6:0 gegen die Slowakei. In der Relegation zudem eine klare 6:2 Niederlage gegen die Schweiz und ein 2:2 gegen die Ukraine.
1980/81 war Österreich erstmals dabei. Damals wurde das Turnier noch mit 16 Teams (heute 10) gespielt. 6:51 Tore in der Gruppenphase gegen die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Kanada, sofortiger Wiederabstieg.
Eines kann kann man also sagen: Österreich ist heute sicher näher an der Weltspitze als vor 10 oder 20 Jahren. Der Abstand dürfte aber dennoch zu groß sein, um im Normalfall die Klasse zu halten. Doch da kommt wieder einmal Corona ins Spiel. Weil alle anderen Weltmeisterschaften der U20 abgesagt wurden, gibt es in diesem Jahr keine Aufsteiger und dementsprechend auch keine Absteiger. Österreich darf also, egal was passiert, auch im nächsten Jahr an der U20 WM der Top Division teilnehmen. Eine rießige Chance für unsere nächste Generation an Leistungsträgern.
Aber nun mehr zum aktuellen Team. Dezember 2019, Minsk, Weißrussland.
Österreich tritt ohne Topstar und potentiellen Erstrundenpick der NHL Marco Rossi bei der Weltmeisterschaft der Division 1A an. Als Ziel hat man natürlich den Aufstieg vor Augen, realistisch gesehen muss man jedoch mit dem Klassenerhalt bereits zufrieden sein.
Zum Auftakt gibt es für die Mannschaft von Trainer Marco Pewal eine knappe 4:3 Niederlage gegen den Gastgeber Weißrussland. Einem 5:2 Sieg gegen Norwegen lässt man ein 4:2 gegen Dänemark folgen und schlägt dann sogar noch Lettland mit 4:2. Man hat nun alles selbst in der Hand. Auch weil sich die Konkurrenz gegenseitig die Punkte abnimmt. Ein Sieg gegen Slowenien würde den Aufstieg besiegeln. Unsere Nachbarn kämpfen allerdings noch um den Klassenerhalt. Ein ungefährdeter 4:1 Sieg besiegelt den sensationellen Aufstieg in die Top Division. Ein gewisser Benjamin Baumgartner (später an 161. Stelle im NHL Draft von den New Jersey Devils gedraftet) wird Topscorer. 11 Punkte in 5 Spielen sprechen für sich.
Und dann kam Corona. November 2020, St. Pölten, Österreich.
Der U20 Cup in St. Pölten sollte zum ersten großen Vorbereitungsturnier für die jungen Österreicher werden. Wegen der Corona-Pandemie sagte jedoch ein Team nach dem anderen ab, es blieb ein Test-Doppel gegen die Altersgenossen aus Ungarn. Die Spiele wurden mit 4:2 und 6:3 gewonnen, Österreich war alles in allem etwas stärker, zum Teil aber sehr unkonzentriert und vielleicht auch etwas zu nachlässig.
Auf jeden Fall noch viel zu tun für Coach Marco Pewal. Doch dann der „Super-GAU“. Pewal, hauptberuflich Co-Trainer beim VSV, bekommt keine Freigabe für das Turnier in Kanada. Bitter für ihn persönlich, andererseits aber verständlich, nachdem er seinem Verein fast einen Monat lang fehlen würde. Roger Bader springt ein. Selbst langjähriger Trainer des A-Nationalteams und absoluter Eishockeyfachmann.
Die Mannschaft kam am 6.12. zusammen und begibt sich in eine Komplettisolierung, da die Einreisebestimmungen in Kanada extrem streng sind. Erste Vorbereitungen werden nun getroffen, PCR-Tests (Drei negative Test sind vor Anreise notwendig) durchgeführt. Am 10.12 gibt es sogar ein 90-minütiges Eistraining das Live ab 16:55 Uhr in ORF Sport + übertragen wird. Das zeigt die Begeisterung, die diese junge Mannschaft in Eishockey-Österreich ausgelöst hat.
Am 13.12. folgt die Anreise nach Edmonton in Kanada, fünf Tage später beginnt das Training.
Vor Weihnachten gibt es noch zwei finale Testspiele gegen Deutschland (21.12. 20:00 MEZ) und die Slowakei (23.12. 20:00 MEZ) und die Bekanntgabe des WM-Kaders, ehe dann am 26.12. der Startschuss in das Abenteuer Weltmeisterschaft fällt.
Das erste WM-Spiel gibt es am 26.12. (27.12. 03:30 MEZ) gegen die USA. Es folgen das Spiel gegen Schweden am 28.12. (29.12. 00:00 MEZ, LIVE in ORF Sport+) und das Aufeinandertreffen mit Russland am 29.12. (30.12. 03:30 MEZ). Als abschließendes Gruppenspiel wird uns ein wahrer Silvesterkracher geboten. Das Spiel beginnt am 31.12. um 20:00 MEZ und wird LIVE auf ORF Sport+ übertragen.
Der erweiterte Kader für die U20 wurde bereits bekannt gegeben, eine Reduzierung findet am 12.12. statt. Bleibt zu hoffen, dass die Reduzierung auf rein sportlicher Basis erfolgen kann und es keine positiven Corona-Fälle im Team gibt, die Coach Bader und seinem Team die Entscheidung abnehmen.
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