
Am Montag Abend fand in Zürich die Auslosung zur WM-Qualifikation für die Winter-WM 2022 in Katar statt.
Auf den ersten Blick hat Österreich eine vermeintlich einfache Gruppe zugelost bekommen. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass die Gruppe auf gar keinen Fall unterschätzt werden darf. Auch bei der vergangenen EM-Quali hat Österreich eine relativ „leichte“ Gruppe erwischt, mit Polen auch damals schon den wohl am schwächsten einzuschätzenden Gegner in die Gruppe bekommen. Aber gerade diese Gruppe hat gezeigt, warum man keine Nation unterschätzen sollte.
Diesmal bekommt man es erneut mit Isreal zu tun, dazu gesellen sich Dänemark, Schottland, die Färöer, sowie die Republik Moldau.
Nur die zehn Gruppensieger qualifizieren sich fix für die Weltmeisterschaft, für die die UEFA 13 Startplätze zu vergeben hat. Die Gruppenzweiten sowie die Gruppensieger aus der Nations League, die in ihrer Quali-Gruppe nicht Erster oder Zweiter werden, spielen die verbleibenden drei WM-Plätze in einem Play Off im März 2022 aus.
Österreich war zuletzt 1998 in Frankreich bei einer WM dabei. Nach zwei 1:1 Unentschieden gegen Kamerun und Chile, erreichte Österreich nach er 2:1 Niederlage gegen Italien den, wohl etwas enttäuschenden, dritten Platz in der Gruppe. Auffallend damals vor allem, dass alle drei Tore der österreichischen Nationalmannschaft in der 90. Minute (oder Nachspielzeit) gefallen sind.
Diesmal hat Österreich in der Qualifikation laut Teamchef Franco Foda eine interessante und ausgeglichene Gruppe, sieht Dänemark als leichten Favoriten, jedoch sei mit dieser Auslosung auch alles möglich. Platz 1 oder 2 wurde als Ziel ausgegeben, was für Foda alles andere als ein leichtes Unterfangen ist.
Kapitän Julian Baumgartlinger nimmt die Gruppe gerne. Nicht etwa, weil sie leicht ist, sondern weil man Mannschaften zugelost bekommen hat, die man kennt und mit denen man auf Augenhöhe ist.
Nun aber zu den Gegnern:
Dänemark ist nicht ganz umsonst aus Topf 1 gelost worden. Die Stars des Teams sind etwa Spielmacher Christian Eriksen von Inter Mailand, Offensiv-Waffe Yussuf Poulsen von RB Leipzig oder Ex-Bayerntalent Pierre-Emile Höjbjerg, der sich mittlerweile bei Tottenham ins Rampenlicht gespielt hat.
Das letzte Duell gegen den Überraschungs-Europameister aus dem Jahr 1992 war ein freundschaftliches Länderspiel im Oktober 2018. Man verlor auswärts in Herning mit 2:0. In insgesamt 9 Spielen gegen die Dänen gewann Österreich 4 mal und holte ein Remis.
Besonders bemerkenswert war der hart erkämpfte 1:0 Sieg gegen England in der Nations League. Dieses Team kann also für jeden Gegner gefährlich werden. Österreich könnte wahrscheinlich mit 2-4 Punkten absolut zufrieden sein.
Das letzte Duell mit Schottland liegt etwas weiter zurück. 2007 verlor man zu Hause mit 1:0, insgesamt gab es bisher 19 Begegnungen, von denen Österreich 8 gewann und 6 mal Unentschieden spielte.
Superstar des Teams ist ohne Frage der Champions League Sieger und Premier League Meister Andrew Robertson vom FC Liverpool. Mit Kieran Tierney von Arsenal oder Scott McTominay von Manchester United stehen weitere bekannte England-Legionäre im Kader.
In der Nations League verpasste man zuletzt den Aufstieg in Liga A, verlor u.a. gegen Quali-Gegner Israel. Österreich sollte aber wohl mindestens 4 Punkte holen, wenn man vorne mitspielen will.
In Israel hat man es aktuell alles andere als leicht. Das Corona-Virus hatte das Land lange im Griff, Sportdirektor und Interims-Coach Willi Ruttensteiner mit verschiedensten Problemen zu kämpfen. Nicht zuletzt, dass Mental-Trainer Markus Rogan trotz Corona-Erkrankung, aus Israel in seine Wahlheimat Los Angeles „geflohen“ ist, weil er Angst hatte, dies später nicht mehr zu dürfen. Ein dummer Fehler, wie Rogan danach eingestand, seinen Job beim israelischen Verband ist er trotzdem los.
Das letzte Aufeinandertreffen mit Österreich ist nicht lange her. In der EM-Qualifikation gewann man einmal mit 4:2, verlor das Rückspiel dann mit 3:1 In gesamt 11 Spielen holte Österreich 5 Siege und 4 Unentschieden.
Neben den Österreichern im Staff (bevor Ruttensteiner übernahm, war Andi Herzog Chefcoach in Israel) kennt man vor allem einen Namen. Shon Weissman, bekannt aus seiner Zeit beim Wolfsberger AC, ist mittlerweile bei Real Valladolid in Spanien unter Vertrag. In acht von zwölf möglichen Spielen war er im Einsatz, stand allerdings nur einmal über 90 Minuten auf dem Platz und wartet nach wie vor auf sein erstes Tor.
Dass Israel ein gefährlicher Gegner sein kann, weiß man spätestens seit dem 4:2 zum Auftakt der EM-Quali in Haifa. Will man zur WM, muss man diese Mannschaft aber wohl zweimal schlagen!
Wenn man den Namen der Färöer Inseln hört, bekommen viele heute noch das Zittern. Es war im September 1990, als Österreich in Karlskrona (Schweden) gegen die Färöer mit 1:0 verlor. Im Oktober 2008 dann der Schock in Tórshavn. 1:0 Rückstand. Erinnerungen wurden wach. Der schnelle Ausgleich fiel, mit dem Sieg wurde es aber nichts. (Un)Schöne Geschichten aus der Vergangenheit. Die restlichen 4 Spiele gegen die Färöer wurden meist klar gewonnen.
Zuletzt spielte man in der WM-Qualifikation für das Turnier 2014 gegeneinander. Österreich gewann klar mit 6:0 und 3:0. Also keine Panik, 6 Punkte werden, bei aller Vergangenheit, auch hier drin sein.
Als Gegner aus dem letzten Topf bekam Österreich die Republik Moldau zugelost. In 6 Spielen gab es gegen die Osteuropäer 5 Siege. Zuletzt in der letzten WM Quali waren es sechs Punkte mit einem 1:0 und einem 2:0 Sieg.
In den wenigen bisherigen Duellen gab es nie mehr als zwei Tore Unterschied, insgesamt nie mehr als drei Tore in einem Spiel. Deshalb werden die Spiele Österreichs gegen Moldawien bestimmt auch kein Zuckerschlecken. Das sollte man sich im Hinterkopf behalten, wenn nach den Spielen wieder gesagt wird, Österreich hätte nicht gut genug gespielt (egal ob das Spiel gewonnen wird oder nicht). Sechs Punkte müssen auch hier Pflicht sein, ganz egal aus welche Art und Weise!
Man kann also durchaus sagen, dass Österreich eine Art „Losglück“ hatte, diese Gruppe ist aber wohl auch die ausgeglichendste der gesamten Qualifikation. Von Platz 1 bis 4 ist ehrlicherweise alles möglich und alle Spiele haben eine Art Topspielcharakter. Man wird also eine Menge guter Tage brauchen, um den Traum von der ersten WM-Teilnahme seit 1998 zu realisieren.